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DREI auf DVD

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LOLA RENNT, WINTERSCHLÄFER, DIE TÖDLICHE MARIA

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Interviews

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Sebastian Schipper (SIMON) Interview lesen...

Devid Striesow (ADAM) Interview lesen...

Ein Gespräch mit dem Autor und Regisseur TOM TYKWER

Nach drei großen, internationalen Produktionen, kehren Sie jetzt nach Deutschland zurück, kommt Ihnen hier jetzt alles sehr klein vor?
Diesen Unterschied merkt man gar nicht, wenn man an einem Film arbeitet, weil man in diesem Tunnel steckt, der bei allen Filmen ähnlich ist. Im inneren Zirkel von rund zwanzig Leuten um die Kamera fühlt sich das immer ähnlich an, nur wenn man um die Ecke schaut, merkt man vielleicht, dass da noch fünfzig LKWs mehr stehen. Der größte Unterschied bei komplexeren Produktionen liegt in der längeren Vorbereitung, da kann man eben nicht wie hier, drei Monate nachdem das Buch fertig ist, mit dem Dreh anfangen. Wenn alle Drehorte mehr oder weniger in Fußweite sind, und man auch nicht so viel umbauen muss, weil man vieles so haben möchte wie es ist, reduziert das den Aufwand.

Angefangen hat alles damit, dass Sie mal wieder in Deutschland drehen, und diesem Land auf den Puls fühlen wollten. Was war konkret der Anfang dieser Geschichte?
So einen konkreten Ausgangspunkt hatte ich gar nicht, vor allem hatte ich das Bedürfnis, mal wieder in der eigenen Sprache zu drehen. Auch wenn ich Englisch inzwischen wirklich gut und fließend beherrsche, ist es trotzdem nicht meine Sprache und wird es auch nie werden. Ich wundere mich immer über diese Erzählungen von Billy Wilder, der nach einem Jahr morgens aufwacht und merkt, dass er auf Englisch geträumt hat, und wusste, dass er jetzt wirklich angekommen ist. Mir ist das so nie passiert, was nicht heißt, dass ich darunter leide, das hat ja auch Vorteile. Wenn man immer noch so eine bestimmte Art von Übersetzung leisten muss, entsteht eine analytische Distanz, die das Gesagte auch präziser macht. Was dagegen fehlt, ist das ganz direkte, suchende, frei assoziierende Sprechen, diese Art wie man beim Denken nach Worten sucht, und im Gespräch gemeinsam mit den Schauspielern nach etwas sucht. Dazu kommt natürlich, dass mir diese Menschen von vornherein vertrauter sind, weil sie aus meiner Kultur, und in diesem Fall sogar aus meiner Generation kommen und einen ähnlichem Background haben wie ich. Ich wollte einfach mal wieder genauer wissen, von wem da eigentlich die Rede ist.

Was bei Ihnen ja Methode hat: Über die Jahre sind Ihre Helden mit Ihnen reifer geworden.
Für mich ist das nahe liegend, Konflikte zu thematisieren, die mit der eigenen Lebenssituation zu tun haben, unter Menschen, die ungefähr aus der eigenen Generation kommen. Selbst wenn ich mich beispielweise mal mit einem Teenager befassen sollte, würde ich das wahrscheinlich auch in irgendeiner Weise biografisch koppeln, sonst würde mir einfach der Bezug fehlen.

Dieser Film ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, und zugleich ein ziemlich provokantes Spiel mit den Möglichkeiten moderner Beziehungen, fast so eine Art Versuchsanordnung zum Thema Beziehung...
Diese Betonung des Experiments ist für mich sehr befreiend, denn darin wird der verspielte Charakter des Films hervorgehoben. Jede Situation, jede Begegnung ist ein Konstrukt, das von unglaublich vielen, unberechenbaren Parametern bestimmt ist, von all den Zufällen, die uns ständig widerfahren. Da ist allein schon die ungeheuer wichtige Frage des Timings: Wann trifft man jemanden, in welcher Situation? Was wäre passiert, wenn man einer Person zu einer anderen Zeit, bei anderer Gelegenheit begegnet wäre? Wie anders wäre das Leben verlaufen? All die Umstände, von denen es abhängt, ob man von einem Attraktivitätssignal getroffen wird. Manche Menschen hat man schon zehn Mal gesehen, und dann entdeckt man beim elften Mal plötzlich etwas, das einem vorher noch nie aufgefallen ist, und man nimmt jemanden ganz überraschend erotisch wahr. Diese überwältigende und mich manchmal auch einschüchternde Willkür der emotionalen und affektiven Irrungen und Wirrungen fasziniert mich.

Gibt es konkrete, persönliche biografische Anknüpfungspunkte?
Biografisch in dem Sinne ist das nicht, es ist eher so, dass ich mich mit den Gefühlen auskenne, die da herrschen, weil mir die Menschen vertraut sind, ich kenne sie, verstehe sie und weiß woher es kommt, was sie tun und sagen und fühlen. Jeder Film ist der Versuch, die persönlichen Themen und Erfahrungen auf ein anderes Spielfeld zu rücken.

Haben Sie selbst die Midlife Crisis, um die es da auch geht, schon gestreift?
Zumindest weiß ich, was es bedeutet, eines Morgens mit dem Bewusstsein aufzuwachen, dass man das Leben nicht mehr von der Geburt weg, sondern auf den Tod hin lebt. Wenn man den etwas unbedarften Glauben an die Vorwärtsbewegung des Lebens, diesen Unendlichkeitsgestus verliert, entdeckt man darin eine bisher unbekannte Unsicherheit, was ja gleichbedeutend mit einer Krise ist. Bei manchen Menschen stellt sich dieses Bewusstein, dass die Zeit abläuft eher ein, bei mir war es relativ spät. Manchmal wird das durch konkrete Einschnitte ausgelöst, wie hier der Tod der Mutter oder eine schwere Krankheit. Aber es kann auch passieren, dass man sich auf unerwartete Weise mit jemandem verstrickt, und sich einem dadurch plötzlich ganz andere Möglichkeiten eröffnen, dass man ein ganzes Feld entdeckt, das man nie bestellt hat, und das ist ja immer einigermaßen verunsichernd und dadurch auch krisenträchtig.

Im Vergleich zu Ihren früheren Filmen, wirkt dieser sehr viel leichter, freier und verspielter: Hat das vielleicht auch mit einer Entspanntheit und Lässigkeit zu tun, die sich mit zunehmender Reife einstellt?
Das kann ich gar nicht sagen, ich bin nur erstaunt, dass ich plötzlich selbst soviel über meinen eigenen Film lache. Ich weiß natürlich nicht, ob das anderen genauso geht, Humor ist ja auch Geschmackssache, und in dem Film kommt er manchmal sehr drastisch daher. Das ist ja das klassische Prinzip der Komödie: Wenn den Menschen gerade besonders grauenvoll mitgespielt wird, bringt man eine lakonische Wendung rein, eine liebevolle Ironie, die dem Drama die Schärfe nimmt und von der Last und Schwere unserer Existenz befreit. Darum können wir Lubitsch und Sturges immer wieder sehen.

Nun haben Sie selbst Lubitsch genannt. Entfernt erinnert diese luftige Mènage a Trois an seine "Serenade zu Dritt", oder auch an Truffauts "Jules et Jim": Gab es solche Inspirationen aus der Filmgeschichte?
Nicht so konkret, aber natürlich trage ich die Filme, die ich gesehen habe in mir. Für mich ist es selbstverständlich, dass sie sich, hoffentlich auf natürliche Weise, in unserem kollektiven cineastischen Gedächtnis einnisten, und auf diesem Weg auch in meinem Kino präsent sind. Aber bewusste Zitate gibt es keine, abgesehen von dem einen Film, der sehr explizit vorkommt. Im Kontext des Mutterverlustes taucht eine Szene aus DAS WUNDER VON MAILAND auf, weil diese Übermutter, die dort in ihrer ganzen Mütterlichkeit so drastisch ausgestellt ist, das klischeehafte Gegenbild zu der modernen Mutter ist, die in unserer Generation vorherrscht, eine Mutter, die in der Mitte ihres Lebens dem Feminismus über den Weg gelaufen ist, sich damit vom Mütterlichen abgewandt hat und die Kinder eher als Partner ernst nimmt, was viele Vorteile aber auch einige Nachteile hat. Angela Winkler spielt das totale Gegenbild zu der Mutter in DAS WUNDER VON MAILAND, bekommt dann aber trotzdem diesen Auftritt als schwebender Engel, der wie bei Vittorio de Sica vom Himmel heruntergleitet.

In DREI gibt es ein ganzes kulturelles Bezugssystem, mit der Ballettszene am Anfang, dem Theaterbesuch, den Skulpturen, dem Kinobesuch. Wie ist es dazu gekommen?
In meinen Augen ist die Alltagspräsenz von Kultur und kulturellen Ereignissen im Kino völlig unterrepräsentiert, diese natürliche Art, auf die wir uns über die Auseinandersetzung mit Kultur miteinander verständigen. Das ist die Basis unseres Gesprächstoffes, ständig sprechen wir über kulturelle Phänomene oder Ereignisse, das ist auch zumindest in der westlichen Welt nichts Schichtspezifisches. Doch in Filmen findet das kaum statt, da geht man vielleicht mal ins Kino, aber darüber hinaus kommt Kultur als alltäglicher Austausch- und Begegnungsraum kaum vor.

Im Film vertritt Adam sozusagen die Wissenschaft und Simon die Kultur, sind das auch die beiden Seelen in Ihrer Brust?
Im Film ging es mir aber doch eher um eine dramaturgisch interessante Entwicklung. Es ist Teil der Konstruktion, dass sich die Frau von jemandem angezogen fühlt, der außerhalb ihres typischen Alltags liegt. Sie gestaltet ihr Leben, wie wir alle, in einem begrenzten Rahmen, in einer bestimmten Routine, und plötzlich trifft sie auf überraschende Weise auf einen Mann, der eine ganz andere Sozialisation, einen anderen Background hat, und damit eröffnet sich für sie ein neuer Zugang zu bisher ausgeklammerten Ideen, Gedanken und Positionierungen zur Welt.

Adam hat etwas sehr Entrücktes und wirkt manchmal fast wie ein Engel: Welche Regieanweisung haben Sie Devid Striesow dafür gegeben?
Wichtig war mir, diesen Film sehr intuitiv anzugehen, wir haben die Texte gelesen und zumindest bei der Probearbeit durchaus improvisiert, haben an den Texten entlang das eine oder andere noch weiterentwickelt. Bei Devid war es so, dass wir oft einen Satz weggelassen haben und ihn stattdessen nur auf so eine bestimmte, vieldeutige Weise schauen lassen. Er kombiniert eine offensichtliche Intelligenz mit einer seltsamen Triebhaftigkeit und kann sehr rätselhaft und mehrdeutig reagieren, oder auch einfach nur passiv sein, so dass man sowohl verunsichert als auch angezogen von ihm ist. Mit diesen sehr eigenwilligen Qualitäten ist er gar nicht so leicht zu fassen.

In welchen Maße sehen Sie ihn auch ein bisschen als Engelswesen, das diesem Paar hilft?
Das würde ihn zu stark von seiner vorhandenen Substanz als Person wegrücken. Am Anfang nimmt man ihn vielleicht so wahr, weil er wie so ein magisches Element in diese mit viel größerer Erdung ausgestattete Beziehung eingeschleust wird. Nach den üblichen Kriterien entscheidet sich der Film erst sehr spät, dieser Figur eine Substanz und eine biografische Verankerung zu geben. Nachdem er am Anfang eher geheimnisvoll und unnahbar, aber faszinierend wirkt, wird er dann doch noch ganz diesseitig. Am Anfang ist er vor allem für das Paar sicher eine Projektionsfläche, rückt aber mit der Zeit davon ab und wird doch zu einem kompletten Menschen. Insofern kommt er vielleicht als Engel zur Tür rein, aber er verlässt den Film als Mensch, als Person.

Insbesondere bei Sophie Rois hat man das Gefühl, dass die Dialoge gar nicht geschrieben sind, sondern einfach aus ihr heraussprudeln. Hatten Sie schon beim Schreiben diese Besetzung vor Augen?
Ja, das war ganz klar für sie geschrieben, ich wusste, dass ich bei diesen Texten nur mit ihr klarkommen würde. Sie bringt eine Impulsivität, Intelligenz und Vitalität mit und verleiht den Texten dadurch einen besonderen Schliff, aber auch so eine Lusthaftigkeit. Sie hat eine Lust mit Texten zu arbeiten, die ihrem Niveau entsprechen. Gleichzeit spielt sich diese Rolle ja nicht nur über den Text ab, sondern ist auch in der Stille sehr nuancenreich, da wird sehr viel über Blicke erzählt. In meinen Augen hat sie eines der schönsten, aber auch nuancenreichsten Gesichter, das wir hier in Deutschland haben. Sie ist eine attraktive Frau, wie ich sie für meinen Geschmack viel zu selten im Kino sehe, und sie schafft es, das Liebenswerte dieser Figur hervorzubringen, die ja von der Anlage auch eine sehr anstrengende Seite hat. Was Devid Striesow betrifft, der kam mir zumindest sehr früh in den Sinn, auch wenn ich da nicht so festgelegt war wie bei Sophie.

Angela Winkler vertritt als sterbende Mutter ja auch die vorhergehende Generation der Filmemacher: Ist das auch eine Hommage, oder vielleicht auch ein Abschied?
So habe ich das nicht gesehen, sie steht für mich eher für eine bestimmte Mutterfigur, für ein bestimmtes Bild der bildungsbürgerlich komplizierten Frau um die sechzig, die einem sehr vertraut, und auch durchaus unmütterlich erscheint, die sich unserer Generation schon sehr angenähert hat, allein schon in der Art, wie sie sich kleidet. Darüber hinaus ist sie eine der tollsten Schauspielerinnen ihrer Generation; mit ihr arbeiten zu können, war für mich sehr beglückend.

Und Sebastian Schipper, der ja in dieser Riege nicht das ist, was man einen Vollblutschauspieler nennt?
Obwohl er ja schon in drei meiner Filme mitgespielt hat, war das für mich eine so überraschende wie - im Nachhinein - einleuchtende Entdeckung. Es gibt keinen Regisseur, der ihn öfter eingesetzt hat als ich, gleichzeitig bin ich mit ihm natürlich noch viel mehr über seine Regiearbeiten verbunden, die ich alle begleitet habe. In erster Linie sind wir Regisseure, die befreundet sind. Als es dann an die Besetzung dieser Rolle ging, habe ich immer gesagt, "wir bräuchten so jemanden wie Sebastian Schipper", mit dieser besonderen Form der Attraktivität, jemanden der zwar kein klassischer Beau ist, keiner der einen mit seinem Superstarlook erschlägt, aber doch eine Intensität hat, eine Lässigkeit und Intelligenz, aber auch Selbstironie. Danach haben wir gesucht und gesucht und gesucht, bis ich irgendwann dachte, warum frage ich eigentlich nicht Sebastian, schließlich ist er ja Schauspieler. Als wir uns im Café getroffen haben, wusste er sofort, was auf ihn zukommt und hat sich bereitwillig darauf eingelassen.

Gibt es da auch eine Art Seelenverwandtschaft zwischen Ihnen beiden?
Auf jeden Fall haben wir ein sehr vertrautes Verhältnis, was mir auch wichtig war für diese Rolle, die ja keineswegs leicht zu spielen ist. Er muss da schon Einiges können, das lässt sich nicht einfach so runterspielen. Das Vertrauen, das wir zueinander haben, hat da sehr geholfen, diese Sicherheit zu wissen, worauf es dem anderen im Kino ankommt und welche Nuancen man aus den Figuren herausholen möchte. Diese Nähe hat damit zu tun, dass wir schon so oft gemeinsam über Drehbüchern gesessen haben. Nachdem wir seit vielen Jahren in sehr engem Kontakt stehen, war es jetzt für uns beide ein ganz irres Experiment, das sozusagen mal am eigenen Leib auszuprobieren.

Womit wir bei den schwulen Sexszenen wären, die in DREI sehr selbstverständlich wirken: Wie können Sie Ihren Schauspielern zu dieser Unbefangenheit verhelfen?
Die sind auch nicht schwieriger als andere Sexszenen. Die Frage, wie hetero wir überhaupt alle sind, drängt sich in solchen Zusammenhängen gleich wieder auf - und ob es nicht anachronistisch ist, das überhaupt noch in diesen Kategorien zu sehen. Hinzu kommt, dass ja im Kino und im Fernsehen, von "Six Feet Under" bis SHORTBUS unglaublich viele Filme Sexualität auf eine sehr entspannte und schöne Weise zeigen, bei den Schwulenszenen in "Six Feet Under" geht es unglaublich zur Sache, und das in einer Fernsehserie! Dazu kommt, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der Filme wie TAXI ZUM KLO populär waren. Schwule Szenen im Film sind für mich das Normalste der Welt, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass ich Schüler von Rosa von Praunheim war. Jedenfalls habe ich nie einen besonders starken Unterschied empfunden, ob man es mit hetero- oder homosexuellen Sexszenen zu tun hat. Diese Art von Intimität herzugeben ist immer ein bisschen eigentümlich, immer eine Herausforderung. Schön ist eine Sexszene für mich immer dann, wenn sie mich nicht peinlich berührt, wenn ich mich nicht als Spanner fühle, wenn ich das Gefühl habe, dass sich die Schauspieler trotz allem wohlgefühlt haben. Und wohlfühlen heißt ja nur, dass es ein entspannter Moment war, und dass die Körper auf eine Art und Weise gezeigt werden, die mir vertraut ist, nicht übertrieben schön, aber auch nicht hässlich. Erotik entsteht im Kino ja nicht dadurch, dass man alles frontal und krass zeigt, sondern indem man das Geheimnis des Körpers bewahrt, eines normalen, erwachsenen Körpers, der sehr schön aussieht, aber eben nicht nach sechs Monaten Fitnessstudio.

Denken Sie, dass der Film mit seinen liberalen Haltungen zu Homosexualität und zur Mènage á Trois den Stand der Beziehungsmöglichkeiten heute wiedergibt?
Zumindest stellt er etwas zur Disposition, das sich Gott sei Dank in unserem Alltagsdenken durchaus verbreitet hat. Im Grunde wissen wir alle, dass unsere Kategorien von sexuellen Zuordnungen, geschlechterspezifischen Haltungen und all diese Verbindlichkeiten, die wir uns pädagogisch aufzwingen lassen, zu einem System gehören, das irgendwie abgelaufen ist. Gleichzeitig haben wir aber auch noch keine tolle, neue Alternative zu bieten. Also vollführen wir diesen eigentümlichen Spagat: Einerseits sind da noch die bürgerlichen Modelle, mit denen wir groß geworden sind. Und gleichzeitig sind wir gedanklich schon sehr viel weiter, offener und auch entspannter, was diese kategorischen Zuordnungen betrifft, was man darf und was nicht. Der Film versucht, genau diesen Zwischenraum zu beschreiben, ohne dabei einen besonders starken Vorschlag zu machen. Es geht einfach darum, den Figuren dabei zuzuschauen wie sie in dieser Desorientierung irgendwohin taumeln, in einer sehr offenen, eben nicht klar zu Ende erzählten Geschichte. Der Film kommt zwar irgendwo an, doch das Ende ist ja eher ein Anfang.

Würden Sie dem Trio eine Chance einräumen?
Ja, da bezieht der Film am Ende ja schon eindeutig Stellung. Aber das heißt nicht, dass er dafür plädiert, dass wir jetzt alle Dreierbeziehungen unterhalten. Er richtet sich nur gegen den modellhaften, und quasi religiös verankerten Glauben an diese verbindliche Form der Beziehungsnormen. Das Verfallsdatum dieses Systems ist einfach überschritten. Mangels Alternativen machen wir zwar überwiegend weiter, aber das stimmt hinten und vorne nicht mehr.

Auf geradezu zauberhaft märchenhafte Weise behauptet der Film, dass die Affäre der Liebesgeschichte nichts nimmt, sondern ihr im Gegenteil sogar neue Funken gibt...
Ich halte es einfach für einen Schmarren, dass eine Liebe sämtliche Gefühle auf sich versammeln kann. Diese Exklusivität aller Gefühle in einer einzigen Beziehung ist in meinen Augen emotionaler Faschismus. Jeder weiß das, trotzdem halten wir an diesem Muster fest, aus vielen Gründen, die mit Verbindlichkeit zu tun haben, mit Notwendigkeiten, die sich im Alltag aus der Lebensgestaltung ergeben. In Wirklichkeit ist das Spektrum unserer Gefühle unendlich viel reicher, als das was eine Beziehung abdecken kann. Das ist es, was der Film ausdrückt.

DREI spielt in Berlin, aber jenseits der bekannten Wahrzeichen der Stadt: Wie sind Sie an die Locationsuche herangegangen?
Im Unterschied zu beispielsweise LOLA RENNT ist das ja kein Film, der die Stadt geografisch erforscht, sondern er nähert sich über so eine bestimmte, gesellschaftliche Gruppierung. In dem Moment, in dem wir uns entschieden hatten, von welcher Art von Leuten wir erzählen wollten, ergaben sich die Orte relativ organisch, wie von selbst. Es ging nie darum, spektakuläre oder visuell sensationelle Schauplätze zu finden, sondern darum, dass die Orte stimmige Aufenthaltsorte der Figuren sind - in welchen Kneipen sitzen sie, in was für einem Haus wohnen sie, in welches Theater gehen sie. Das haben wir mit Hilfe eines Locationscouts gesucht, auch der Szenenbildner trägt dazu bei, wir wissen ja alle, dass das nicht mein Film ist, sondern dass viele Leute dazu beitragen.

Darunter ist eine ganze Reihe von Leuten, mit denen Sie immer wieder zusammenarbeiten, Frank Griebe als Kameramann, Uli Hanisch als Szenenbildner, Mathilde Bonnefoy als Cutterin...
...das ist so wie mit tiefen Freundschaften, wenn sie halten, sind sie meistens auch ewig fruchtbar. Sind sie es einmal nicht mehr, dann sollte man sie beenden. Doch ich habe nicht das Gefühl, dass wir anfangen uns abzunutzen. Die letzten drei Filme, die wir zusammen gemacht haben, DAS PARFUM, THE INTERNATIONAL und jetzt DREI könnten kaum unterschiedlicher sein, und trotzdem denke ich, dass man uns eindeutig in jedem einzelnen von ihnen erkennt.

Sie komponieren Ihre Musiken immer mit Johnny Klimek und Reinhold Heil: Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
Wir haben eigentlich immer eine wichtige Session vor dem Dreh, denn ich bin ein Gegner der sogenannten Temp-Musiken, die im Schneideraum temporär auf die im Schnitt befindlichen Filme angelegt werden. Das hat in den letzten fünfzehn Jahren dazu geführt, dass sich die Scores immer ähnlicher werden, weil in den Schneideräumen nur ein begrenztes Kontingent von CDs steht, das ist meistens AMERICAN BEAUTY und irgend etwas von James Horner. Wenn dann der Komponist einberufen wird, um für den fertig geschnittenen Film eine Musik zu liefern, dann wird er gebeten, einen möglichst ähnlichen Score zu liefern. Das ist dann so, als wäre die Musik ein Topping , das am Ende einfach drübergegossen wird, als wäre die Idee von Musik die der Zierde. Musik ist ein dramaturgisch wichtiger Baustein und ein emotionales Wirkungsmittel eines Films, da ist es doch geradezu grotesk, sie am Ende noch auf die Schnelle zuzufügen, statt sie mit dem Film zusammen zu entwickeln. Aus diesem Grund treffen wir uns früh, spielen viele Sachen schon ein, entwickeln Themen auf der Basis des Drehbuchs und schreiben davon ausgehend die ersten Stücke, die dann während des Drehs weiter gemixt und verfeinert werden. Dazu setzen wir uns in einen Raum, mit einem Computer, einem Klavier und ein paar Instrumenten und spielen los. Meistens habe ich schon beim Schreiben mindestens vier oder fünf Ideen zu bestimmten Themen. Bei DAS PARFUM und THE INTERNATIONAL war es sogar so, dass wir die Musik schon vor dem Dreh mit großem Orchester aufgenommen haben, so dass wir sie beim Drehen schon hören konnten.

Was bedeutet Ihnen persönlich die Zahlenmystik, die im Film durchgespielt wird?
Die Zahlenmystik ist dem Kino verwandt, das einerseits unheimlich technisch ist, mit den Tausenden von Codes des digitalen Zeitalters, und gleichzeitig steckt in den Filmen aber auch etwas völlig Diffuses, Amorphes, Geheimnisvolles und Fließendes. In diesem Fall war sie aber vor allem etwas, das diese Mutter charakterisiert.

Wie stehen Sie persönlich zum Thema Stammzellenforschung, das der Film am Rande thematisiert? Schlagen Sie sich eher auf die Seite der vorwärts drängenden Forscher, oder der bremsenden Moralisten?
So einfach lässt sich das nicht umreißen. Das fasziniert mich, weil sich darin unsere Idee vom Menschsein spiegelt, was für uns der Begriff Leben bedeutet, was Leben ausmacht, und ab wann es schützenswert ist. Wir wollen unser Leben mit einem größtmöglichen Freiraum gestalten, haben aber Bedenken, wenn es darum geht, das physische Leben de facto zu konstruieren. Das erscheint uns unheimlich, und zwar nicht zu Unrecht. Mit unseren immer größeren Möglichkeiten, unser Leben zu beeinflussen, bewegen wir uns in einem Spannungsfeld, das sich vom Psychologischen bis zum faktisch Wissenschaftlichen spannt. Um diesen Zwischenraum geht es im Ethikrat, und den wollte ich auch im Film ausloten.

Womit wir ja fast schon bei den CGI-Effekten sind, mit denen Sie sich als Regisseur die Wirklichkeit nach Ihren Vorstellungen modellieren....
Das Kino ist von jeher eine Maschine, die der künstlichen Welt Leben einhaucht, mit Frankenstein als der Urgeschichte für uns Filmemacher. Im Grunde jagen wir Strom durch irgendwelche Monster und dann laufen sie durch unsere Filme und sind trotzdem nur erfunden und fiktiv, auferstanden aus unseren psychologischen Gräbern. Zu diesen Technologien habe ich ein sehr entspanntes Verhältnis, ich mache mir jede Technik zunutze, solange sie nicht selber zum Thema wird, das sich in den Vordergrund drängt. Das Kino ist seit seiner Geburtsstunde ein sehr technischer Apparat. Das ist eine Maschine, die versucht, das Leben einzufangen, daran ändert auch die digitale Technik nichts.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Realität und Fiktion im Kino?
Das sind siamesische Zwillinge, zumindest in dem Kino, das mich interessiert: Ich möchte belogen werden und möchte aber trotzdem glauben, dass die Lüge mit der Wirklichkeit verwandt ist.

Ein Gespräch mit Produzent STEFAN ARNDT

Verändert sich die Zusammenarbeit, wenn ein Regisseur wie Tom Tykwer nach rund zehn Jahren wieder in den X-Hafen zurückkehrt, bringt er von den großen internationalen Produktionen höhere Erwartungen mit?
Sicher fragt man sich da erst mal, wie man "Toms Film Familie" von ihrem 60 Millionen International-Level wieder auf unser Normalniveau herunterpegelt, und ein bisschen teurer als früher war dieser Film auch tatsächlich. Aber viel hat sich nicht verändert, wir haben uns ja nicht aus den Augen verloren, im Gegenteil, wir sind über die Jahre Partner geblieben und haben mehrere Projekte zusammen entwickelt. Da gibt es einen Level von Professionalität, der eine gute Grundlage ist. Auch für Tom war es wohl kein großer Unterschied, was auch damit zu tun hat, dass er sein vertrautes Team immer mitnimmt, an der Kamera, im Schnitt, in der Ausstattung. Aber es war auch von vorneherein eine ganz andere Arbeitsweise, eine schnelle Idee, die wir relativ schnell geschrieben, zügig umgesetzt und verhältnismäßig schnell finanziert hatten, und schon konnten wir mit dem Dreh beginnen. Da gab es überhaupt keine Zeit, darüber nachzudenken, was sich geändert haben könnte.

Am Anfang dieses Projektes stand der Wunsch von Tom Tykwer, mal wieder in Deutschland zu arbeiten. In welcher Form ist er da an X Filme herangetreten?
Er hat einfach angerufen und gefragt ‚Was hältst Du denn davon, wenn wir einen Film über drei Leute machen, und dies und jenes passiert’. Mir gefiel die Idee, schon weil alle Filme, die wir bisher gemacht haben, immer mehr oder weniger unsere eigene Altersgruppe umkreisten. Da gibt es die durchgeknallten WINTERSCHLÄFER-Leute, dann die schon ein bisschen realistischeren Typen von LOLA RENNT und schließlich die KRIEGER UND KAISERIN-Altersgruppe, und jetzt sind sie in DREI eben noch mal ein bisschen älter geworden. Das sind alles Filme über Leute, die wir kennen könnten. Neben diesen sehr persönlichen Arbeiten, die wir da drehen, wo wir leben, machen wir aber auch immer wieder andere Filme, die in ganz anderen Zeiten und Orten spielen, wie DAS WEISSE BAND.

Glauben Sie, dass diese moderne, unbefangene Art, an die Liebe heranzugehen in DREI den aktuellen Stand der Beziehungsmöglichkeiten bei uns wiedergibt?
Im Kopf sind die Menschen eigentlich soweit, aber in der Wirklichkeit wehren sie sich mit Händen und Füßen gegen eine Veränderung. Ich glaube, dass es noch ein weiter Weg ist, bis die Menschen wirklich frei genug sind, um weniger konventionelle Beziehungsformen zuzulassen, da gibt es noch große Widerstände. Die Berichte in den Medien eilen der Wirklichkeit weit voraus. Insofern sehe ich diesen Film als eine Art Science Fiction. Dinge, die man sich im wirklichen Leben nicht traut, sieht man eben gerne auf der Leinwand. Das Verblüffende ist ja auch, dass Tom und ich, die eigentlich immer relativ extreme Beziehungen gelebt haben, ausgerechnet jetzt so einen Film machen, während wir beide in völlig klaren Verhältnissen leben.

Das heißt, dass auch Sie beide über das Kinomachen etwas ausleben, das Sie sich im Leben eher nicht trauen würden?
Das gehört zur Geschichte von X Filme, hier haben wir eine ganze Reihe von Beziehungsfilmen gemacht und sind dann immer davon ausgegangen, dass die Leute wirklich so extrem leben, dass sie Beziehung tatsächlich als eine aktive Unternehmung sehen. Bei STILLE NACHT waren wir dann ziemlich überrascht, als uns das um die Ohren gehauen wurde. Der Film kollidierte mit dem Bedürfnis der Menschen, dass eine Beziehung möglichst lange dauern und nicht von außen bedroht werden sollte. Wir sind immer davon ausgegangen, dass man das auch aktiv leben kann, und wollten Beziehung in all ihren Schattierungen und Stimmungsschwüngen ernst nehmen, und nicht stillschweigend einen auf Paradies machen.

Sie nehmen in Ihren Filmen auch den Standort Berlin sehr ernst. Nach einer Reihe archetypischer Berlin-Filme wie DAS LEBEN IST EINE BAUSTELLE, LOLA RENNT oder GOOD BYE LENIN! sieht man hier eher nicht die berühmten Wahrzeichen der Stadt. Wie sind Sie an die Location-Suche herangegangen?
Wir haben von Anfang gesagt, dass das eher ein Berlin-Film für Berliner sein soll, in dem die Postkartenansichten dieser Stadt, wie die Museumsinsel, der Dom und der Fernsehturm völlig fehlen. Wenn man das entschieden hat, ergibt sich alles andere von selbst, und der Ort bekommt plötzlich auch einen sehr internationalen Flair, der dieser Generation sehr gut entspricht. Bei allen drei Helden wäre ja durchaus denkbar, dass sie in fünf Jahren beruflich etwas ganz anderes an einem anderen Ort machen, weil sie nicht gebunden sind.

Sie haben gesagt, dass dieser Film zu den aufwendigeren Produktionen von X Filme gehört Worin lag für Sie als Produzent die besonderen Herausforderungen?
DREI kommt zwar sehr bescheiden daher, ist dabei jedoch sehr aufwendig: Das hat damit zu tun, dass wir nichts dem Zufall überlassen, jedes Detail ist gesetzt. Darum hatte ich schon befürchtet, dass die digitale Bearbeitung sehr aufwendig wird. Doch Tom ist so professionell, dass er immer den Höchstbetrag ansagt, und ihn dann eher unterschreitet. In einigen Bereichen ist er tatsächlich unter Budget geblieben. Aufwendig war es, weil wir die Vorgabe ernst genommen haben: Das sind drei Leute, die sich überwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten, es gibt zwei Wohnungen und zwei Arbeitsplätze. Dieses Grundkonzept könnte man sich als Produzent sehr viel leichter machen, aber uns war es wichtig, auch die Kleinigkeiten am Rande echt und komplex zu erzählen, und das bedeutet dann eben, dass man am Mauerpark mit 20 Lkws und 50 Pkws anrücken muss. Es wäre auch nicht unbedingt nötig gewesen, vor der Nationalgalerie zu drehen, aber es sieht eben ein bisschen besser und interessanter aus und vermittelt ein authentisches Berlin-Gefühl. Dabei wird der Ort aber eben nicht als Postkarte gezeigt, sondern ganz normal, als Teil des Lebens in einem bestimmten Milieu.

Der Film stellt ein Kulturbezugssystem mit Theaterbesuchen, Ballettaufführungen und Kinobesuchen, das vermutlich für Sie als Produzent einige logistische Probleme aufwirft, oder?
Ja, natürlich, da muss man schon eine Menge Überzeugungsarbeit leisten und sich darum kümmern, dass alle zufrieden sind und sich ernst genommen fühlen, denn natürlich hält jeder seine Kulturform für das Zentrum des Universums. Aber letztlich konnten wir alles verwirklichen, was wir uns gewünscht haben. Alle Kulturschaffenden sind eben doch am Ende ganz liebe Leute, die die finazielle Not aus eigener Anschauung kennen.

Sie sagen, dass Ihre Helden mit Ihnen reifen. Wenn man sieht, wie leicht und luftig und durchaus komisch dieser Film ist, könnte man vermuten, dass sich mit dem Alter nicht nur die Krise einstellt, sondern auch eine neue Lässigkeit?
Genau darum geht es in diesem Film: Wenn man den ganzen Pseudostress, den wir uns früher gerade in Sex- und Beziehungsangelegenheiten gemacht haben, erst mal hinter sich lässt, dann wird das alles auch sehr viel lockerer und lässiger. Dann ist das eben eine romantische Komödie, interpretiert von Tom Tykwer, und man kann mit diesen Themen sehr viel lockerer umgehen, ohne sie künstlich zu dramatisieren. Da kann ein Mann wie der Adam eben auch mal ganz allein in eine Bar und ins Kino gehen, und ganz echt und normal im Leben stehen.

Das klingt nicht so, als würde Sie diese Midlife Crisis tangieren?
Das liegt wohl daran, dass das bei mir sehr viel eher stattgefunden hat. Für mich war der dreißigste Geburtstag der schlimmste Tag meines Lebens, da dachte ich, dass alles vorbei ist. Natürlich erlebe ich auch heute noch meine Krisen, so wie jeder das jeden Tag erlebt. Doch wenn man, wie ich, einen Beruf hat, der eine starke Säule im Leben ist, dann ist man auf eine ganz andere Weise geerdet. Und meine Familie und meine Filme tragen mich über die restlichen Fallen, die das Leben so bietet.

Geben Sie dem Trio eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft?
Auf jeden Fall. Wenn Hanna nach der Schwangerschaft weiter arbeiten kann, also keine elementaren, gesellschaftlichen Kräfte auf sie wirken, dann gebe ich denen schon eine reelle Chance. Und wenn Adam und Simon noch ein wenig erwachsener werden, dann wird das noch ganz toll. Über die Phase des aufregenden Sexes sind sie ja dann schon raus, das ist ja bereits eine echte Beziehung.

Ist Tom Tykwer jetzt also doch zum bekennenden Romantiker geworden?
Im Grunde seines Herzens ist er das ja schon immer gewesen, auch wenn er sonst in stärkerem Maße Distanz eingenommen hat. Jetzt begegnet er seinen Helden vielleicht zum ersten Mal als Gleicher unter Gleichen, und das ist für ihn schon ein sehr großer und schöner Schritt.

Wie großen Einfluss nehmen Sie als Produzent bei so einem Film von Tom Tykwer?
Ich sage alles, was ich zu sagen habe und muss zugleich keinen wirklichen Einfluss nehmen, weil Tom so sehr Profi ist, dass er selbst genug eigene Zweifel hat, aber auch ein sehr sicheres Gefühl für seinen Film. Meine Einschätzung der Länge des Drehbuchs war richtig, aber dann hat er mit den Splitscreen-Szenen eine sehr elegante Lösung gefunden. Das ist so ähnlich wie bei den Backgroundgeschichten in LOLA RENNT, wieder sehr modern und sehr klar und auch zeitgemäßer als ein klassischer chronologischer Ablauf.

In welchem Maße können Sie über die großen Themen Liebe, Tod und Krankheit, die in DREI angeschnitten werden, auch eigenen Lebensfragen nachgehen?
Es ist schön, sich zusammen mit diesen Fragen zu befassen, und es bedeutet mir sehr viel, dass die Szene mit dem Tod der Mutter, die als Einzige entbehrlich gewesen wäre, jetzt im fertigen Film drin ist. Der Tod ist eben auch ein wichtiges Thema in unserer Generation, wir werden älter und manche bleiben auf der Strecke...

Welchen Standpunkt nehmen Sie persönlich in der Stammzellenforschungsdebatte ein, die in DREI angerissen wird?
Das ist ein Thema zu dem niemand umfassend informiert ist, die Zeitungen sind voll davon, aber ich habe nicht den Eindruck, dass irgendjemand diese Artikel liest. Über das schlechteste Theaterstück, die blödeste Mode oder den schlimmsten Italiener wird gesprochen, aber nicht über solche grundlegenden Debatten. Darum finde ich es interessant, dass auch die Wissenschaft im Berlinbild von DREI ihren Platz findet, letztlich ist mir das wichtiger, als dass man genau versteht, was Adam in seinem Vortrag meint. Aber es ist wichtig, sich damit zu beschäftigen. Als das Genom entschlüsselt und das Schaf Dolly geklont wurde, hatte man ja plötzlich das Gefühl, dass man demnächst an der nächsten Straßenecke dem eigenen Klon über den Weg laufen könnte, so weit ist es nun nicht gekommen. Aber in zwei Jahren können wir wahrscheinlich nichts mehr essen, das nicht genetisch verändert ist, und niemand kann ermessen, welche Auswirkungen diese Eingriffe in die Schöpfung haben, und warum die Dinge so und nicht anderes gestaltet wurden. Und da finde ich schon witzig, dass wir in DREI dann einfach das Genom der konventionellen Beziehung verändern. Das wäre doch mal was für die Wissenschaft.

Vor dem Hintergrund der Wissenschaft bekommt auch die Liebesbeziehung den Charakter einer Versuchsanordnung: So wie die Präparate in den Reagenzgläsern werden auch die Figuren angestupst, und dann schaut man welche Reaktionen eintreten....
Ich denke, dass es eher umgekehrt ist. Es gibt einen unbewussten Übersprung von Kultur und Wissenschaft zu den physikalischen Theorien über Parallelwelten und über die Quantenphysik. Ich denke, dass diese Themen in einem von Toms nächsten Projekten eine noch größere Rolle spielen könnten.

Ein Gespräch mit SOPHIE ROIS (HANNA)

Was ist nötig, um eine leidenschaftliche Theaterfrau wie Sie vor die Kamera zu locken?
Ich bin keine leidenschaftliche Theaterfrau. Das ist mir zu allgemein dampfend.
Es gibt immer das ganz konkrete Interesse am jeweiligen Stoff, egal ob Theater oder Film.
„Drei“ arbeitet sich ab an der Frage: Zu welcher Freiheit in Sachen Selbstdefinition sind wir fähig. Wie können wir uns denken, uns begreifen, welchen Niederschlag hat dieses Denken auf unser Leben. Können wir austreten, aus den Erzählungen über uns.

Würden Sie sagen, dass Sie den Antworten bei der Arbeit etwas näher gekommen sind?
Nein, ich bin sowieso nicht gut in Antworten.

Glauben Sie, dass diese ja doch sehr moderne, offene und wagemutige Art, an Beziehungen heranzugehen, auch das reflektiert, was gerade in unserer Wirklichkeit passiert?
Mmh, ist nicht die Kleinfamilie das vorherrschende Modell? Das Vater-Mutter-Kind-Spiel?
Auch den Mitgliedern der homosexuellen Community fällt oft nichts Besseres ein, man will sich unbedingt heiraten und Kinder kriegen. Familie – nicht mal eine bürgerliche sondern eine feudale Institution!
Daneben gibt es sehr wohl anders gelebte Leben, wo Sex und Liebe anders geregelt werden, es gibt nur keine Erzählung dazu.

Haben Sie diese moderate Form der Midlife Crisis, von der im Film erzählt wird, schon am eigenen Leib erfahren?
Auch die Erzählung der Midlife Crisis ist eine, die nicht dazu taugt, MICH zu erzählen.
Mein spezielles Leben ist krisengeschüttelt von Kindheit an.
Als ich gemerkt habe, dass man als Mädchen ein Mensch zweiter Klasse ist, hat das eine handfeste Krise ausgelöst, dieses Gefühl, keinen Zugriff auf die Welt zu haben. Ich war kein glücklicher junger Mensch.

Sie vermitteln sowohl im Kino als auch auf dem Theater das Gefühl, dass die Rollen weitgehend mit Ihnen zur Deckung kommen: Ist das ein Kunstgriff oder suchen Sie sich Ihre Rollen so?
Eine Rolle ist nichts in Stein gehauenes, womit ich zur Deckung kommen muss.
Da gibt es erst mal einen Text und dann vielleicht Handlungsanweisungen. Beides steht zur Disposition.
Dann findet man Sätze, die man immer schon mal sagen wollte oder Dinge, die man immer schon tun wollte.

Haben Sie nicht manchmal Angst, zu viel preiszugeben?
Nein, weil ich vor der Kamera, auf der Bühne nie privat bin.


Sie haben mal über Frank Castorf gesagt, dass er den Schauspielern einen Raum bereitet, in dem sie spielen können. Würden Sie das so ähnlich auch von Tom Tykwer sagen?
Das ist ja nun mein erster Film mit ihm und da würde ich sagen ja. Er kam schon sehr offen auf mich zu, und war sehr daran interessiert, was ich selber beizusteuern habe. Es ging ihm nicht darum, sein Buch und seinen Stoff zu exekutieren, insofern war es eine sehr durchlässige Zusammenarbeit.

Wie hat er Ihnen den Raum bereitet?
Vor dem Dreh habe ich gesagt: „Tom, Du musst Dich mit mir verbünden, sonst funktioniert es mit mir nicht.“ Ich gehöre nicht zu den Schauspielern, die vom Regisseur angetrieben werden müssen. Ich brauche einen Komplizen, der mit mir zusammenarbeitet und das hat er getan. Das lässt sich nur schwer beschreiben - wir haben relativ lange vor Drehbeginn, zwei, drei Monate davor angefangen zu arbeiten, wir haben uns getroffen, Szenen gelesen, über sie gesprochen und Sachen ausprobiert.

Was bekommen Sie vor der Kamera, das Sie auf der Bühne nicht finden?
Eigentlich müsste ich das eher negativ formulieren. Ich bin ein Kontrollfreak und empfinde es als gewöhnungsbedürftig, die Kontrolle anderen zu überlassen. Ich bin zu unerfahren, um die Bedingungen am Set einschätzen zu können, wie das Licht wirkt und solche Geschichten. Und den Rhythmus bestimmt ohnehin der Cutter. Auf der Bühne habe ich das alles selbst in der Hand, den Ausschnitt, der gesehen wird, den Rhythmus, das Timing, wann ich innehalte und weitergehe. Vor der Kamera so ausgeliefert zu sein, finde ich schwierig.
Andererseits gibt es vor der Kamera eine andere Intimität und es bereitet mir ein anderes, narzisstisches Vergnügen, mich selbst sehen zu können, in einem bestimmten Moment, in der Zeit, in der schon längst wieder alles vorbei ist. Vor allem genieße ich es, diesen Beruf nicht alleine ausüben zu müssen, eine so einsame Tätigkeit wie das Drehbuchschreiben würde mich wahnsinnig machen. Da ist es viel schöner abgeholt zu werden, in die Maske zu kommen und sich in diesem Zusammenhang zu bewegen. Und dass von anderen Leuten immer etwas Überraschendes dazukommt, ist etwas sehr Beglückendes!

Sie gehen immer wieder auf eine sehr mutige Weise, ohne Rücksicht auf Verluste, auch an die raueren Seiten des Gefühls heran: Woher kommt diese Furchtlosigkeit?
Ich bin nicht mutig, mein Name ist Angsthase!
Und faul dazu, ja, ein fauler Angsthase.
Ich mache vor der Kamera aber nichts, was ich nicht machen will.
Das nimmt man eigentlich an von jedem erwachsenen Künstler, alles andere wäre sinnlos, doof und selbstzerstörerisch.

Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung Ihrer Rolle in DREI?
Sehen Sie, ich bin katholisch.
Ganz nackt vor fremden Leuten, das ist nichts für mich.
Strikte Anweisung für die meisten Sexszenen war aber: nackt!
Die Herausforderung war also: in jede Sexszene zumindest ein kleines Kleidungsstück zu schmuggeln.
Einmal einen Schal, einmal rosa Bettsocken – sehr flauschig und für den Partner angenehm.
Zu meinem großen Bedauern habe ich festgestellt, dass man die Söckchen im Film gar nicht sieht. Aber für mich war es gut beim Drehen, nackt und doch angezogen.

War die Heulszene im Fernsehstudio schwierig zu spielen, in der Sie aus der absoluten Erstarrung so viel Gefühl destillieren.
Das haben wir ganz am Schluss gedreht, als ich schon so erschöpft und am Ende meiner Kräfte war, weil ich fast jeden der vielen Drehtage zu tun hatte. Ich war in einem Zustand, in dem ich kaum noch wusste, wie ich heiße und fand es darum überhaupt nicht schwer, das zu spielen.

Als Mitglied des Ethikbeirats im Film sind Sie noch nicht ganz entschieden, welche Haltung haben Sie persönlich zur Stammzellenforschung?
Das ist eine hochinteressante Frage, die ich nicht beantworten kann. Das ist eine große Frage, die weit ausstrahlt, weil es darum geht, als was wir uns begreifen, was wir sind, wo wir anfangen und aufhören. Da gibt es diese kleine Warze hier auf meiner Stirn, die wächst schon drei Millimeter weit heraus, und irgendwann muss ich sie mir weg machen lassen, und dann frage ich mich schon, warum ich ausgerechnet an diesem Punkt denke, das gehört nicht zu mir, das soll weg. Über die reine Stammzellenforschung hinaus geht es da um all die Möglichkeiten, mit denen wir heutzutage an uns rumbasteln können. Im Moment habe ich noch keine falsche Hüfte und kein fremdes Herz, aber theoretisch kommt das alles auf mich zu. Wie definieren wir, welches Leben wir schützen sollen, und welches nicht.

Ein Gespräch mit SEBASTIAN SCHIPPER (SIMON)

Sie sind inzwischen vor allem als Regisseur von Filmen wie Absolute Giganten, Ein Freund von mir und Mitte Ende August bekannt. Was hat Sie gereizt, diese Rolle in Tom Tykwers DREI anzunehmen?
Ich hatte noch nie eine Glatze und noch nie einen Mann geküsst. Ich wusste, dass wenn ich es jetzt nicht mache, wird nie was draus. Nein, aber im Ernst, der Gedanke des 'Machens', mit Tom zusammen eine solch intensive Zeit zu verbringen, stand für mich weit vor der Vorstellung, das tatsächlich am Ende auch ein Film das Ergebnis sein wird. Er hätte mich auch fragen können, ob ich mir vorstellen könnte, ob ich bei seinem neuem Film der Cutter sein wollte und ich hätte zugesagt. Mit großer Freude mit ihm diese Zeit zu verbringen, irgendeiner Vorstellung, was dann von mir gefordert sei – und ein bisschen Bammel, ob das wohl gut geht.

Diese Geschichte, in der sich drei Personen austasten, liegt durchaus auch auf Ihrer Linie als Regisseur. Wenn man drei eigene Filme inszeniert hat, ist man dann als Schauspieler versucht mitzuinszenieren?
Großartig war der Moment, als mir klar wurde, dass meine Hauptaufgabe als Schauspieler Verantwortungslosigkeit war. Auf dem Set sein heißt für mich seit 10 Jahren unter großem Druck stehen und sich eigentlich permanent Sorgen darüber zu machen, ob die Zeit reicht und das Wetter mitspielt –
denn am Ende interessiert jeden nur die Frage, ob der Film was taugt. Und plötzlich fand ich mich in meinem kleinen Trailer mit einer Tasse Tee und meinem Buch, während der Fuhrpark des Teams in Matsch und Regen versank und Tom versuchte noch ein paar Bilder zu drehen, die nach Sonne aussehen sollten, schob die Gardine zurück und dachte: „Nicht mein Problem“. Und las weiter. Ab da habe ich verstanden, dass ich mich wie ein Kind fühlen darf und auch muss. Denn wenn die Kamera läuft, kommt meine Hauptaufgabe: ruhig, konzentriert und vor allem ohne Angst zu sein.

Man könnte sich gut vorstellen, dass ein heterosexueller Mann zögert, bevor er sich auf schwule Sexszenen einlässt: Mit welchen Gefühlen sind Sie da herangegangen?
Es ist oft sehr viel einfacher, sich einer so großen aber auch sehr eindeutigen Aufgabe zu stellen, bei der sich alle besonders konzentrieren. Es kann sehr viel schwieriger sein, in einem Gespräch ganz gelöst und intim zu erscheinen, während man sich unsicher oder verkrampft fühlt, wenn zwanzig Leute um einen herumstehen, denen kalt ist, und man versucht, dem Witz, den man schon zum dreißigsten Mal erzählt, einen ganz normalen Tonfall zu geben. Eine Szene mit einer Waffe zu spielen, eine Sexszene oder dann noch eine schwule Sexszene ist eine ganz klare und darum auch eigentlich einfache Aufgabe.

Diese Szenen sehen im Film erstaunlich entspannt aus, ganz ohne den Druck, den man erwarten würde: Wie kann da ein Regisseur seinen Schauspielern helfen?
Tom ist einfach ein ganz toller Regisseur, völlig unneurotisch und unverkrampft, trotzdem hatte er auch Bammel und Respekt vor den Szenen. Was uns unheimlich geholfen hat, war, dass wir viele Witze gerissen haben. Das hat ja auch ganz viel mit den Kollegen zu tun, Devid hat mich nie spüren lassen, was für ein fantastischer Schauspieler er ist. Er hat ja auch etwas sehr Jungenhaftes, eine große Lust zu spielen und überhaupt keine Angst auch mal seine Unsicherheit zu zeigen. In so einem Umfeld ist alles einfacher.

Könnte es dabei auch eine Rolle spielen, dass Sie alle vom Theater kommen, mit diesem anderen Ensemblegefühl?
Bei mir kann man das so ja nicht wirklich sagen. Ich war zwar zwei Jahre am Theater, aber hab’ da eher auf der Ersatzbank gesessen, nur Statistenrollen gespielt und damit auch keine große Freude gehabt. Profitiert habe ich aber sicher von meiner Zeit auf der Schauspielschule, in der man viel ausprobiert, viel mit den anderen herumtobt, und lernt sich auf körperliche Nähe mit Fremden einzulassen.

In DREI wird ja auch eine sehr moderne Liebesgeschichte erzählt: Glauben Sie, dass sich darin auch ein Wandel in der Post 68er Generation spiegelt?
Diese Generationendiskussion hat ja immer sehr viele Haken und Ösen, dazu kann ich gar nicht so viel sagen. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich mich in diesem Fall als Schauspieler begreife und überhaupt nicht so komplex über den Film nachdenke – oder damit jetzt erst anfange. Ich hatte alle Hände voll damit zu tun, in der jeweiligen Szene das zu tun, was gerade nötig war, beziehungsweise keine Angst oder keinen Stress zu empfinden. Ich kann nicht mal behaupten, dass ich für diese Figur einen Handlungsbogen gespielt habe, ich habe das alles sehr direkt und unmittelbar empfunden. 

Würden Sie dem Trio eine Chance geben?
Ich als Simon, ja. Ich weiß nicht, ob er romantischer ist, aber ich hatte bei ihm das Gefühl, dass er recht offen ist für die Möglichkeiten, die das Leben bietet. Ich persönlich denke, dass die ´Drei´, nachdem sie sich da so schön ins Bett gekuschelt haben, auch irgendwann wieder aufwachen werden – und dann wird erneut gelacht, gestritten, diskutiert, erzählt, gezeigt – und geküsst. Ich finde, dass Harmonie eine feine Sache ist, aber auch überschätzt. Konflikt ist menschlich und deswegen auch schön. Und der wird auch bei den ´Dreien´ wieder ausbrechen. Ob zu dritt oder nicht.

Mit welchem Anspruch sind Sie in den Film gegangen?
Tom hat mich ja nicht besetzt, weil ich der allerbeste Schauspieler bin, sondern weil er mich für den Richtigen hielt und das allein hat mir schon eine große Last genommen. Ich hatte nicht den Zwang, beim Casting zehn Minuten lang charmant oder witzig gewesen zu sein und dann später an jedem Drehtag darum zu kämpfen, das wieder abzurufen. Tom kennt mich seit 14 Jahren und ich hatte das Gefühl, dass er schon weiß, warum er das tut und dass ich darin aufgehoben bin. Also habe ich vor allem versucht, ruhig zu bleiben und Spaß dabei zu haben, mit Sophie und Devid diese interessanten Szenen und Konstellationen zu spielen. Das fühlte sich für mich an wie eine Gang, in die ich aufgenommen wurde.

Aufgrund Ihrer langjährigen Freundschaft mit Tom Tykwer liegt die Vermutung nahe, dass Sie im Film auch so etwas wie sein Alter Ego darstellen. Wie nah ist Ihnen diese Figur persönlich?
Ich glaube nicht, dass ich das bin. Simon ist sehr viel zugänglicher als ich, und es hat sehr viel Spaß gemacht das zu spielen, gerade weil ich selbst in Wirklichkeit komplizierter bin. Eigentlich ähnle ich den beiden anderen in vieler Hinsicht sehr viel mehr: Sophie, die sehr exaltiert ist, Devid, der sehr geheimnisvoll wirkt, aber auch intellektuell mit einer kühlen Seite – vielleicht würde ich das auch nur gerne ...

Können Sie sich mit diese Andeutung einer Midlife Crisis von der da erzählt wird, schon identifizieren?
Ich kann mich ganz generell mit dem Phänomen Krise identifizieren und bin mir auch gar nicht sicher, ob das wirklich eine Midlife Crisis ist, was diese Beiden da haben. Irgendwie hab ich auch das Gefühl dass dieser Begriff 'Midlife Crisis' eigentlich schon fast einen tröstlichen, anachronistischen Klang hat – aus der Zeit, in der man genau einmal im Leben eine Krise hatte.

In welchem Maße ist das Spielen so einer Figur für Sie auch ein Weg, sich persönlich mit großen Themen  wie Tod, Krankheit und Krise auseinander zu setzen?
Das passiert schon, aber vielleicht nicht unbedingt, weil das jetzt Thema in diesem Film ist. Wenn die Kamera läuft und man miteinander spielt, erlebt man immer etwas zusammen. In der Szene mit der tollen Angela Winkler als meiner Mutter - sie liegt im Bett und ich schalte die Geräte ab - bin ich aber weit davon entfernt, zu wissen, was das wirklich bedeuten würde. Es ist eher eine große Nähe, Intimität, die ich in dem Moment mit jemanden empfinde, den ich ja eigentlich gar nicht kenne. Das ist irgendwie auch sehr tröstlich. Ähnlich verhält es sich mit der Sache, dass ich in dem Film Krebs habe: Fühle ich mich deswegen schlecht und elend? Im Gegenteil, ich fühle mich persönlich eher noch gesünder als sonst, weil ich ja keinen Krebs habe. Vielleicht zeigt das aber auch nur meine Limits als Schauspieler auf ...

Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?
Mich nicht einschüchtern zu lassen, von der Vorstellung, in Toms Film mitzuspielen, von dem ganzen Druck, das gut zu machen, und dem Wissen, dass das später im Kino laufen wird, mir nicht ständig die Frage zu stellen, ob ich das nun kann oder nicht kann und einfach das zu tun was gerade ansteht.

... und der größte Glücksmoment?
Merken, dass es geht. Kontrolle verlieren, Vertrauen, einfach Denken und Handeln. Das Erlebnis mit Tom diesen Film zu machen.

Heißt das, dass Sie jetzt wieder mehr Lust zum Spielen haben?
Diese Erfahrung ist für mich schon sehr direkt mit Tom verbunden. Das Spielen ist ja eine sehr luftige Angelegenheit, ganz unbeladen von Aussagen, Sehnsüchten und Ansprüchen. Meine Aufgabe bestand einfach nur darin, da zu sein und mich in Toms Traum zu bewegen, ohne eigenen Kopf und eigenen Willen in dem aufzugehen, was jemand anderes von einem möchte. Im Grunde hat das sehr wenig mit Schauspielen zu tun, so wie ich es bisher erlebt habe und ganz viel mit dieser speziellen Erfahrung mit Tom. Ich habe mich eigentlich gar nicht als Schauspieler gefühlt, sondern als sein partner in crime.

Wie haben Sie Tom Tykwer als Regisseur wahrgenommen?
Am Set ist Tom wie ein Filmhochschüler, der endlich das Geld für seinen ersten Film bekommen hat. Er verströmt überhaupt nicht die Attitude eines Großmeisters, der schon alles weiß. Er freut sich auf jeden Tag, auf jede Szene. Das hat etwas sehr Ansteckendes, weil er nicht mit so einer Pseudo-Professionalität antritt, sondern mit Neugier, Spiellust, Sehnsucht, Offenheit und auch Verzweiflung, wenn etwas nicht funktioniert. Man merkt ihm gar nicht an, dass er diese Riesenprojekte gestemmt hat. Das ist so, als ob ein Profifußballer auch noch Lust hat, mit den Jungs zu bolzen, einfach weil er gerne Fußball spielt. Tom ist ein ganz großer Filmliebhaber und das strahlt er einfach aus.

Der Film mischt sich in die Debatte um die Stammzellenforschung ein, wie ist da Ihr persönlicher Standpunkt?
Das kann ich nicht sagen, weil ich zu wenig darüber weiß. Das ist ein schwieriges, komplexes Thema. Ich bin auch gegen Umweltverschmutzung, aber es wäre mir zu banal zu sagen, dass ich es echt gut finde, ein bisschen auf die Natur acht zu geben. Da nehme ich mir das Recht, mich auf meine Position als Schauspieler zurückzuziehen und zu sagen, davon habe ich zu wenig Ahnung.

Wie sieht es mit eigenen Regieprojekten aus?
Ich schreibe gerade einen Thriller, den Tom produzieren wird, mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle. Das basiert auf einer eigenen Idee und ist ein ganz dunkler, körperlich sehr gewalttätiger Film und wie in all meinen Filmen geht es auch da wieder darum, dass der Held einen Ort sucht, an dem er sich zu Hause fühlt.

Ein Gespräch mit DEVID STRIESOW (ADAM)

Sie sind als Schauspieler nicht nur sehr fleißig, sondern auch extrem wandlungsfähig: Was ist nötig, um Sie für ein Drehbuch zu begeistern?
Eine Konstellation von Leuten, vor und hinter der Kamera, die mir gefällt, und natürlich ein gutes Drehbuch. An DREI hat mich natürlich schon gereizt, dass Tom Tykwer Regie führt, das war das erste, was ich wusste. Dann habe ich das Buch gelesen und das hat mir auch sehr gut gefallen.

Dieser Adam hat etwas sehr Entrücktes und Geheimnisvolles, das es auch in einigen anderen Rollen bei Ihnen gibt...
...für mich ist er vor allem ein hochenergetischer Mensch, der sehr viel macht, der eine Beziehung hatte und daraus ein Leben entwickelt hat, das für ihn funktioniert. Er singt im Chor, er macht Sport, er geht Schwimmen, er vögelt rum, all das macht ihn für mich plausibel. Das Mysteriöse, das ihm anhaftet, hat vor allem damit zu tun, wie die Figur innerhalb der Dramaturgie entwickelt wird. Für mich als Schauspieler ist das nicht wichtig und das löst sich ja ohnehin sehr schnell auf, wenn er in Situationen gezeigt wird, die ganz handfest sind, in denen er sehr aktiv ist. Ich spiele das einfach so wie es im Drehbuch geschrieben ist, am Anfang erscheint er mysteriös, wird dann aber sehr schnell entblättert.

Wenn man Filme wie Yella, Das Herz ist ein dunkler Wald oder So glücklich war ich noch nie anschaut, hat man schon den Eindruck, dass Ihnen das Geheimnisvolle besonders liegt, oder?
Das kann ich so nicht sagen, ich spiele ja kein Geheimnis, ich habe absolut kein Geheimnis, das ist nur eine Assoziation des Zuschauers. Ich hoffe, dass jede Rolle ein Geheimnis hat, dass man nicht alles zeigt und dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, seine Phantasie anzustrengen. Das Geheimnis einer Figur liegt in den Teilen, die man nicht ausspricht.

An welchem Punkt wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden wollten?
Das wusste ich nie. Ich weiß nur, dass ich das ganz gut kann, aber ich weiß nicht ob es tatsächlich meine Bestimmung ist. Die liegt darin, innerhalb meines Lebensabschnitts irgendwie auf dem Planeten klar zu kommen. Mir ging es einfach nur darum, die Stadt zu wechseln und wenn es in Berlin mit der Schauspielschule nicht geklappt hätte, wäre ich heute vielleicht etwas ganz anderes, keine Ahnung was.

In diesem Film werden einige gewichtige Themen angerissen, Tod, Krankheit, Lebenskrisen, in welchem Maße rühren solche Fragen dann auch an Ihrem eigenen Leben?
Therapiecharakter hat dieser Beruf für mich überhaupt nicht, da geht es gar nicht darum, mein eigenes Leben auszuloten, das kann ich ganz klar trennen. Was mir privat passiert und was ich vor der Kamera oder auf der Bühne mache, hat gar nichts miteinander zu tun. Das wäre ja furchtbar, ich wäre hin- und hergeworfen, haltlos.

Haben Sie niemals das Gefühl, etwas Intimes preiszugeben?
Das wäre nur der Fall, wenn ich dem Zuschauer tatsächlich von Mensch zu Mensch begegne, wenn ich ganz direkt und ohne Text vor ihn trete, wie wir das bei der Inszenierung von „Dantons Tod“ in Köln versucht haben. In der Regel tritt man immer als Figur vor, man ist jemand anders und kann manipulieren. Die Rolle ist ein Schutz. Gleichzeitig ist jede Rolle nah an mir dran, sonst könnte ich sie nicht spielen. Wenn ich spiele, bin ich immer verwundbar, die Grundidee des Spielens ist doch, dass ich Gefühle zulasse, die ein Bankangestellter niemals zeigen würde.

DREI lotet die Möglichkeiten moderner Beziehungen aus. Glauben Sie, dass er darin wiedergibt, was bei uns im Moment tatsächlich passiert?
Auf jeden Fall glaube ich, dass er eine bestimmte Schicht von Leuten zeigt, die tatsächlich so leben. Trotzdem ist es eine Konstruktion, innerhalb des Filmes wird eine Behauptung aufgestellt.

Die Sexszenen wirken im Film sehr entspannt. Wie kann ein Regisseur seinen Schauspielern dabei helfen, diesen Grad einer solchen Selbstverständlichkeit zu erreichen?
Helfen muss er nur, wenn es Probleme gibt. In unserem Fall war die Stimmung am Set und miteinander so entspannt, dass es gar nicht erst zu Spannungen oder Meinungsverschiedenheiten kam. Vielleicht ist das für Darstellerinnen ohnehin ein größeres Problem, als für Schauspieler. Ich habe schon vierzig Mal die Lady MacBeth vor 1400 Zuschauern nackt gespielt, für mich war das kein Problem. Aber ich  war überrascht, wie schön das gefilmt ist, wie die Regie und die Kamera das Drehbuch umgesetzt haben. Ich fand vor allem die eine Szene mit Sebastian toll, weil das etwas ist, das man zwischen zwei Männern  so noch nicht gesehen hat.

Es wäre durchaus denkbar, dass ein heterosexueller Mann vor so einer Szene zurückschreckt..
... das ging mir überhaupt nicht so.

Was war für Sie der schönste Moment bei den Dreharbeiten?
Als es endlich losging: In der relativ kurzen Vorlaufzeit hatte ich eine Menge zu tun, ich  musste, ein paar Kilo abnehmen, einen Motorradführerschein machen, Fußball spielen lernen, Judo lernen, und Schwimmen lernen, und dafür hatte ich zehn Wochen. Das war eine ziemlich intensive Vorbereitungszeit, dann gab es noch einen Vordreh an der Ostsee, bei dem ich segeln musste. Als es dann endlich losging mit dem richtigen Dreh, war das schon ein Paukenschlag.

Und was war die größte Herausforderung?
Ich habe grundsätzlich wenig Schwierigkeiten mit den Szenen. Ein Problem wäre nur, wenn jemand sagt, dass eine Szene nicht gelungen ist, aber das ist mir noch nicht passiert. Ich habe generell keine Angst vor dem Spielen.

Auch nie so etwas wie Lampenfieber?
Vielleicht im Theater, wenn ich rausgehe und eine dreiviertelstündigen Monolog habe, wie beim Don Carlos in Hamburg und dann ein Wort vergesse. Dann komme ich ins Holpern, aber das ist eine rein technische Angst. Wenn man dann vorne im Rampenlicht steht, schwitzt man zwar, aber dann geht es trotzdem immer weiter nach vorne. Im Vorfeld von DREI gab es eine gewisse Anspannung, ob ich es schaffe, meine fette Wampe wegzukriegen. Ich wusste, was im Buch steht, und habe mir vorgestellt wie das aussieht, wenn es gefilmt wird.  Aber das war keine Anspannung, sondern einfach der Ansporn zu trainieren. Angst hat ja immer einen lähmenden Charakter, Angst hält mich nur fest, das ist nicht produktiv.

Sie bezeichnen Ihre Arbeit als Handwerk...
...auf jeden Fall nicht als Kunst...

Ist nicht eine Auseinandersetzung mit der Art wie wir leben, was wir denken schon im  weitesten Sinne Kunst?
Nein, das ist ja das Furchtbare, dass sich heutzutage jeder als Künstler begreift. Schlingensief war ein Künstler, Tykwer ist ein Künstler Die werden im Leben hin und her geworfen, sie schauen auf das Leben, filtrieren und verarbeiten es, uns Schauspieler betrifft das nur bedingt.
Ich gehe hin und mache eine Arbeit, ich werde abgeholt, weiß, wie der Drehtag läuft, dann bin ich in der Maske und stelle mich an den Platz, den man mir zeigt. Künstlerische Schöpfung ist etwas anderes. Das ist für mich ein inflationärer Begriff, von dem ich nichts wissen möchte.

Und worum geht es Ihnen beim Spielen?
Um das Erlebnis in dem Moment. Das kann ich nicht beschreiben, das muss man so stehen lassen.

Was haben Sie an der Ernst-Busch-Schule für das Handwerk des Spielens gelernt?
Alles, was für den Beruf wichtig ist, um gesattelt einzusteigen, um Situationen meistern zu können, die ohne diese Ausbildung anstrengend geworden wären. Da ging es vor allem darum, ein Bewusstsein für das zu entwickeln, was man tut.

Sie arbeiten sehr viel: Sind Sie ein Workaholic?
Nein, glaube ich nicht, Workaholism ist eine krankhafte Art, sich mit Arbeit zu therapieren. Ich arbeite viel und gern, bin aber kein Workaholic, und wenn ich eine Pause brauche, nehme ich sie mir.

 

Pressestimmen

Der deutsche Film des Jahres. mehr... DIE WELT 21.12.10 (Hanns-Georg Rodek)

Der deutsche Film des Jahres.

DREI ist Tykwers größter Wurf seit LOLA RENNT und der, nennen wir es so, freieste Film des Jahres. Eine Woche vor Ultimo, nach einer mageren Kinoernte 2010, kommt mit DREI der deutsche Film des Jahres. Ein jeder Ton stimmt - bis hin zum Geräusch des Hodens, der nach Simons Krebsoperation in eine OP-Schale fällt.

 

DIE WELT 21.12.10 (Hanns-Georg Rodek)

Der Kino-Pflichttermin im Monat Dezember. mehr... KULTURSPIEGEL 12/10 (Daniel Sander)

Der Kino-Pflichttermin im Monat Dezember.

Nach seinen zwei internationalen Großproduktionen (...) widmet sich Tom Tykwer wieder der Heimat, und wir sagen danke: Seine Komödie über ein Berliner Paar, das sich zeitgleich in denselben Mann verliebt, ist genau das, was das hiesige Kino zu oft nicht ist: verspielt, entspannt, erwachsen. Und dazu auch noch ziemlich lustig. Der Kino-Pflichttermin im Monat Dezember.

 

KULTURSPIEGEL 12/10 (Daniel Sander)

Dokument des erotischen Zeitgeists: Tom Tykwers neuer Film DREI erzählt von den Liebeswirren moderner Großstadtmenschen. mehr... DER SPIEGEL 51/12 (Wolfgang Höbel)

Dokument des erotischen Zeitgeists: Tom Tykwers neuer Film DREI erzählt von den Liebeswirren moderner Großstadtmenschen.

Es ist zugleich lustig und lässig, wie Tykwer hier eine Hauptstadtkulturwelt abbildet, in der er sich so ähnlich in der Wirklichkeit auch selbst bewegt. Was ihm dabei gelingt, ist das Porträt hochsensibler Intellektueller, die Fernsehbilder und Zeitungsschlagzeilen von Kriegen und Katastrophen nur schulterzuckend zur Kenntnis nehmen. Man kann Tykwer nur bewundern für den Mut, mit dem er hier die merkwürdigsten Pointen drischt.

 

DER SPIEGEL 51/12 (Wolfgang Höbel)

Zerbrechlich. Natürlich. Unwiderstehlich. mehr... DPA 17.12.10 (Franziska Bossy)

Zerbrechlich. Natürlich. Unwiderstehlich.

Viele Konflikte, beeindruckend umgesetzt: Auch darum hat der Film viel Potenzial, zu einem Klassiker zu werden. Tom Tykwer zeigt das Leben in seiner großen und ganzen Menschlichkeit. Zerbrechlich. Natürlich. Unwiderstehlich.

 

DPA 17.12.10 (Franziska Bossy)

DREI heißt der Aufsehen erregende neue Film von Tom Tykwer. BRIGITTE 01/11

Eine exquisite Besetzung. Die grandiose Sophie Rois. Sebastian Schipper, die Überraschung des Films. mehr... GQ 01/10 (Dirk Peitz)

Eine exquisite Besetzung. Die grandiose Sophie Rois. Sebastian Schipper, die Überraschung des Films.

DREI ist ein manchmal tragischer, meistens sehr lustiger Film darüber, was Menschen sich und anderen antun, wenn sie ihren Gefühlen, ihrem Herzen, ihrer Lust folgen.

 

GQ 01/10 (Dirk Peitz)

Scharfsinnige Ménage-à-trois mit leiser Ironie, die ziemlich lässig die großen Fragen stellt. PETRA 01/10

Ein mutiger Film, der sämtliche Tabus bricht. mehr... JOY 01/11

Ein mutiger Film, der sämtliche Tabus bricht.

Die provokante Ménage à trois inklusive freizügiger Sexszenen von LOLA RENNT-Regisseur Tom Tykwer klingt erstmal nach harter Kost, überrascht aber mit herrlicher Situationskomik, vor allem in den Szenen, wenn das Trio plötzlich aufeinandertrifft.

 

JOY 01/11

Eindringlich belegt Tom Tykwers neuer Film 3, dass konventionelle Beziehungsmuster ausgedient haben. mehr... DU & ICH 12/10 (Michael Thiele)

Eindringlich belegt Tom Tykwers neuer Film 3, dass konventionelle Beziehungsmuster ausgedient haben.

3 will viel sein – Beziehungsdrama, Generationenportrait, Berlinfilm und Versuchsanordnung. Tykwers experimentelle Bildsprache harmoniert mit dem Beziehungsexperiment, der Film ist wichtig und mutig, denn er regt zum Nachdenken über alle Sehnsüchte und neue Möglichkeiten an – und allein deshalb ist er gelungen.

 

DU & ICH 12/10 (Michael Thiele)

Vertrackt, verspielt, verführerisch. BERLINER ZEITUNG 22.12.10 (Anke Westphal)

DREI ist Tom Tykwers bester Film seit Jahren. mehr... FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 22.12.10 (Andreas Kilb)

DREI ist Tom Tykwers bester Film seit Jahren.

Kein Regisseur in Deutschland kann auf kleinstem Raum nur annähernd so viel erzählen wie Tykwer; und schon gar keiner mit vergleichbarer Eleganz. Die Anbahnung dieses Doppelseitensprungs ist der schönste Teil des Films. (...) Wie in den klassischen Mythen, in denen Eros seinen Bogen spannt, ist das Begehren in DREI eine Himmelsmacht, es springt als Erreger gewissenloser Lüste von Mund zu Mund. DREI ist Tom Tykwers bester Film seit Jahren. Und doch steckt noch ein besserer darin, den er nicht gedreht hat.

 

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 22.12.10 (Andreas Kilb)

Ein Reigen der Anziehung und Abstoßung der kleinen Explosionen und des Verglühens, der Blicke und Positionswechsel, dem man einfach gerne zwei Stunden lang zusieht. FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG 19.12.10 (Peter Körte)

Die Stärke von DREI ist eine überraschende Verspieltheit inmitten der artifiziellen Konstruktion, und es ist ein absolut filmisches Vergnügen. FRANKFURTER RUNDSCHAU 21.12.10 (Daniel Kothenschulte)

Ein lustiger, erotischer, nachdenkenswerter Film. Wirklich sehenswert BILD BERLIN 13.12.10 (Roland Keitsch)

Traumhafter Film. mehr... RHEINISCHE POST 21.12.10 (Philipp Holstein)

Traumhafter Film

Tykwer kann das wie kein anderer deutscher Kollege: Märchen aus der Gegenwart erzählen. DREI ist wieder so eines, Antirealismus des Gefühls, Liebe 2010. (...) Das Ende ist so traumhaft wie wunderbar, reiner Daseinsüberschuss. Man zehrt lange davon.

 

RHEINISCHE POST 21.12.10 (Philipp Holstein)

Der doppelte Seitensprung der etwas anderen Art schlägt viele Volten – und ist mit Devid Striesow, Sophie Rois und Sebastian Schipper toll besetzt. NÜRNBERGER ZEITUNG 25.11.10

DREI ist ein gutaufgelegter Schauspielerfilm, der selbstironisch das klassische Paarmodell hinterfragt. SonnTAZ 19.12.10

Das Paar, um das es geht, kann die Herzen und Lacher leicht für sich gewinnen, wenn Tykwer das möchte. mehr... SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 22.12.10 (Tobias Kniebe)

Das Paar, um das es geht, kann die Herzen und Lacher leicht für sich gewinnen, wenn Tykwer das möchte.

Das Paar, um das es geht, kann die Herzen und Lacher leicht für sich gewinnen, wenn Tykwer das möchte. Und er möchte ja doch. Er hat so eine Art, seine Schauspieler extrem zu fordern und zugleich zu erden. Alles gegen das Klischee zu inszenieren und trotzdem millimetergenau in den Konsens der Wiedererkennbarkeit hineinzutreffen. Sophie Rois, der Theaterstar, und Sebastian Schipper, der Regiekollege, sind dafür perfekt. (...) Schafft es der immer großartige Devid Striesow - diese Frage steht eine Weile nervös im Raum - auch diese Figur annähernd auf Bodennähe herunterzuholen? Er schafft es. So verzeiht man diesen Dreien viel und gönnt ihnen eigentlich fast alles - sogar den Vorschein der Utopie, das mögliche Glück zu dritt, dass am Ende zumindest nicht sofort dementiert wird.

 

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 22.12.10 (Tobias Kniebe)

Aber es sind die viel zu selten im Kino zu sehende, stets umwerfende Sophie Rois und die hoffnungsvoll-gelassene, ganz selbstverständlich Hetero/Homo-Klischees herunterspielende Erzählhaltung, die „Drei“ zu einem echten Ereignis machen. SÜDKURIER 21.12.10 (Patrick Heidmann)

Sophie Rois kann etwas Seltenes: Unterhaltung und Hochkultur verknüpfen. Und dann: diese Stimme! SZ WOCHENENDE 18.12.10 (Antje Wewer)

Tom Tykwers Liebesfilm DREI ist eine Hommage an die Stadt der Liebe. TAGESSPIEGEL 22.12.10 (Christiane Peitz)

Eine romantische Komödie… mehr... WESTDEUTSCHE ZEITUNG 15.12.10 (Martina Schürmann)

Eine romantische Komödie…

Eine romantische Komödie, eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, vor allem ein verspielt-vesponnenes, heiter-hintergründiges, todesnahes und lebenszugewandtes Generationen-Porträt über das komplizierte Liebesleben der Mittvierziger, das Tykwer mit drei fabelhaften Darstellern eingefangen hat (...).

 

WESTDEUTSCHE ZEITUNG 15.12.10 (Martina Schürmann)

DREI erzählt mit großartig ausgespieltem, auch selbstironischem Humor… mehr... TIP BERLIN 26/10 (Robert Weixlbaumer)

DREI erzählt mit großartig ausgespieltem, auch selbstironischem Humor…

(...) es geht in DREI auf jeder Ebene, von der einzelnen Figur bis zum ganzen Film, immer um die Steigerung der Möglichkeit, um das Erweitern der Routine, um ein, zwei, drei Spielzüge mehr. Dass DREI dabei die Erdung nie ganz verliert, verdankt er dem großartigen Ensemble und Tykwers ausgeprägten Sinn dafür, dass der Reichtum Berlins in der Lust an der Differenz liegt.

 

TIP BERLIN 26/10 (Robert Weixlbaumer)

Wertung: Zum Niederknienmehr... ZITTY 26/10 (Susanne Stern)

Wertung: Zum Niederknien

Man darf den Film nicht missverstehen als Plädoyer für oder gegen etwas – DREI ist ein spielerisches Experiment, eine mutig fantasierte Geschichte darüber, dass nicht ein einziger Mensch und eine Beziehung das Spektrum unserer Gefühle abdecken können. Die heitere Grundstimmung und der gelassene Humor, den es in früheren Tykwer-Filmen so nicht gab, lassen sogar eine Art Utopie des Beziehungslebens daraus werden.

 

ZITTY 26/10 (Susanne Stern)

Eine Art Zustandsbericht über die Liebe der Vierzigjährigen im Deutschland des Jahres 2010. mehr... SUBWAY 12/10 (Dieter Osswald)

Eine Art Zustandsbericht über die Liebe der Vierzigjährigen im Deutschland des Jahres 2010.

Kindisch verspielt ist der ganze Film, der wie seine Helden mit schöner Leichtigkeit einfach mal ausprobiert, was noch gehen könnte in diesem Leben. (...) Aber nicht die Witze oder die Vorbilder machen DREI zu einem schönen, intelligenten Spaß. Eine Art Zustandsbericht über die Liebe der Vierzigjährigen im Deutschland des Jahres 2010.

 

SUBWAY 12/10 (Dieter Osswald)

Leicht, intelligent. RBB Stilbruch 09.12.10

Ein ganz besonderer Film. ZDF ASPEKTE 17.12.10

Leichtes und witziges Gedankenspiel (...) ein Film, der Gefühle durchspielt ohne in Klischees abzustürzen. RTL Punkt 6 14.12.10

Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat Tom Tykwer wieder einen Langfilm nach eigenem Drehbuch verfilmt. Das ist ein großes Glück für die Zuschauer, denn die Geschichte von DREI ist höchst innovativ. KINO-ZEIT.DE 20.12.10 (Peter Gutting)

Tom Tykwer findet in DREI zu alter Stärke zurück. mehr... MONSTERSANDCRITICS.DE (Andreas Fischer)

Tom Tykwer findet in DREI zu alter Stärke zurück.

Ein witziger und unverschämt ehrlichen Film über Beziehungen, Sexualität, moralische Tabus - eigentlich über alles, was das Leben in der modernen Welt so herrlich kompliziert macht. Es sind wundervolle, lebensnahe Szenen einer wilden Ehe, die Tykwer mit seinen drei großartigen Hauptdarstellern inszeniert. Tykwer skizziert mit feiner Ironie, aber sehr ernsthaft und mit sensiblem Verständnis für seine Figuren das Paradoxon ihrer Existenz (...).

 

MONSTERSANDCRITICS.DE (Andreas Fischer)

Postmoderner Beziehungsreigen. mehr... PROGRAMMKINO.DE Oktober 2010 (Luitgard Koch)

Postmoderner Beziehungsreigen.

Mutig verwickelt Regisseur Tom Twyker in seinem neuen postmodernen Beziehungsreigen DREI ein Berliner Paar aus dem Bildungsbürgertum in eine Ménage à trois. Seine lässig romantische Tragikomödie belässt es jedoch nicht bei der klassischen Dreiecksgeschichte. Getragen von seinen Schauspielern, allen voran der exzellenten Sophie Rois, spielt der 45jährige (...) alle Konstellationen durch bis hin zur harmonischen Utopie einer gelebten Dreierbeziehung. Sein Generationenporträt großstädtischer Mittvierziger beeindruckt nicht zuletzt durch die virtuose filmische Umsetzung seiner Versuchsanordnung experimenteller Beziehungsmöglichkeiten.

 

PROGRAMMKINO.DE Oktober 2010 (Luitgard Koch)

Eine großartige Liebes-Utopie. mehr... SPIEGEL.DE 21.12.10 (Christian Buß)

Eine großartige Liebes-Utopie.

Tom Tykwer Romantiker, Liebesutopist oder Sexualrevolutionär? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall beweist er sich endlich wieder als grandioser Erzähler, bei dem eine bisexuelle Dreier-WG selbst dem Talkshowspießer als einleuchtendstes aller Lebensmodelle erscheinen muss.

 

SPIEGEL.DE 21.12.10 (Christian Buß)

Der Film lebt von seiner gelungenen Mischung aus Tragik und Leichtigkeit, Tiefgang und Humor. (...)Tykwer gelingt es aber, den Alltag der Figuren so zu zeichnen, dass auch viel Platz für Komik und aberwitzige Situationen bleibt. STERN.DE 14.12.10 (Sophie Albers)

DREI endet mit einem Showdown zum Niederknien. mehr... ZELLULOID.DE 26.10.10 (Martin Egon Döringer)

DREI endet mit einem Showdown zum Niederknien.

Großes, spannendes Kino, mit einem gesellschaftlichen Tabu-Thema, über das immer noch mit vorgehaltener Hand getuschelt wird (Bi-Sexualität, Homosexualität, Affären). Tom Tykwers neuester, spannender Spielfilm DREI ist sehr mutig inszeniert und glaubhaft echt dargestellt. Unbedingt ansehen!

 

ZELLULOID.DE 26.10.10 (Martin Egon Döringer)



Sophie Rois Sebastian Schipper Devid Striesow

SOUNDTRACK zum Film DREI BUCH zum Film DREI

Exklusiv 8min aus dem Film - erhältlich bei iTunes


Weitere Informationen auf http://www.drei.x-verleih.de/de/.

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